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Montag, 15. August 2016

Eine gute Vorbereitung ermöglicht Teilzeitausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin für alleinerziehende Mütter

In der Pflegeausbildung sind Früh- und Spätschicht sowie Wochenenddienste die Regel. Mütter, insbesondere alleinerziehende, hatten in der Pflege bislang kaum eine realistische Chance eine Ausbildung zu beginnen, da die Arbeitszeiten nicht mit den Betreuungszeiten der Kinder zu vereinbaren sind. Auch viele Frauen mit Migrations- und zunehmend auch Fluchthintergrund, die nicht alle sprachlichen Voraussetzungen im herkömmlichen Bewerbungsverfahren erfüllten, sahen sich vor großen Hürden. Mit dem Konzept der Teilzeitausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege ändert sich das nun.  

Untersuchungen zeigen, dass im Jahr 2030 knapp 40.000 Pflegekräfte fehlen werden. Trotz des steigenden Fachkräftebedarfs in den Gesundheits- und Krankenpflegeberufen wurde bisher kaum an Mütter und Frauen mit Migrations- und Fluchterfahrung als Ressource gedacht. „Meist aufgrund ihrer Lebenssituation oder ihrer sprachlichen Voraussetzungen haben diese Frauen bei dem „herkömmlichen“ Bewerbungsverfahren wenig Chancen, eine Pflegeausbildung zu beginnen und erfolgreich zu absolvieren“, erklärt Kerstin Einecke, Geschäftsführerin des VbFF – Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e.V. die Situation. „Mütter oder Frauen mit erhöhtem Deutschförderbedarf trauen sich erst gar nicht, sich zu bewerben“, fährt sie fort.

Um das zu ändern bietet der VbFF den „Vorbereitungskurs zur Teilzeitausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege an. „Genauso wichtig wie die individuelle Unterstützung während der Ausbildung, ist eine bestmögliche Vorbereitung“, macht Kornelia Stanic deutlich, Bereichsleiterin im VbFF und Projektverantwortliche. Am aktuellen Vorbereitungskurs nehmen derzeit 12 junge Frauen teil. Neben intensivem Sprach- und Fachunterricht werden die Frauen auch dahingehend sensibilisiert, sich mit ihrem beruflichen Ziel bewusst auseinander zu setzen, und Lernhemmnisse abzubauen. Während eines Kurzpraktikums haben die Teilnehmerinnen die Möglichkeit einen Einblick in die praktische Arbeit zu erhalten. Der zusätzliche Deutschförderunterricht bildet dennoch den Schwerpunkt der Arbeit.

Finanziert wird der Vorbereitungskurs von der HIT-Stiftung und dem Jobcenter Frankfurt am Main für die Kundinnen des Jobcenters. „Ich freue mich über diese Kombination des Vorbereitungskurses mit der Teilzeitausbildung, denn eine abgeschlossene Berufsausbildung ist die Basis für eine erfolgreiche Erwerbsbiografie“, stellt Claudia Czernohorsky-Grüneberg, Geschäftsführerin des Jobcenter Frankfurt am Main fest und ergänzt, „Gerade für Mütter ist eine Ausbildung eine Herausforderung, die sich aber lohnt - Einerseits zur Sicherung der eigenen finanziellen Zukunft, andererseits um als Mutter Vorbild zu sein“. Das Jobcenter Frankfurt am Main betreut 1.927 alleinerziehende Arbeitslose, die Leistungen nach dem zweiten Sozialgesetzbuch beziehen. Die überwältigende Mehrheit - 1.780 - davon sind Frauen.

„Als ich vor zwei Jahren nach Deutschland kam, hätte ich nicht gedacht so schnell mit einer Ausbildung anzufangen“, berichtet die junge Kursteilnehmerin, die aus politischen Gründen aus ihrer Heimat flüchten musste. Gute acht Monate nahm sie am Orientierungskurs für geflüchtete Frauen „Ankommen-Weiterkommen“ teil und begann anschließend mit dem Vorbereitungskurs zur Teilzeitausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege. „Der VbFF hat mir sehr geholfen. Ich habe viel gelernt, auch wenn es nicht immer einfach ist“, fügt sie hinzu. Auf den Ausbildungsstart im April 2017 freut sie sich schon sehr.   

Seit April 2015 bietet der VbFF in Kooperation mit dem Agaplesion Bildungszentrum die Möglichkeit der Teilzeitausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege an. Die überwiegend alleinerziehenden Mütter erhalten während der Ausbildung u.a. zusätzlichen Deutsch- und Fachunterricht, aber auch Themen wie Stressbewältigung stehen auf dem Programm.

VbFF - Verein zur beruflichen Förderung von Frauen e.V.
Gegründet im Jahr 1978 ist der VbFF - Verein zur beruflichen Förderung von Frauen heute die älteste hessische Einrichtung zur beruflichen Bildung von Frauen und Mädchen. Der Verein verfolgt das Ziel, die beruflichen Chancen für Mädchen und Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern und sie erfolgreich in die Berufswelt zu integrieren. Der VbFF bietet berufliche Beratung, Berufsvorbereitung, Ausbildungsprojekte (in Teilzeit) und Unterstützung beim Wiedereinstieg in den Beruf. Hauptzielgruppe sind (alleinerziehende) Mütter.
 
Jobcenter Frankfurt am Main
Das Jobcenter Frankfurt am Main betreut an sechs Standorten und dem Jugendjobcenter 74.640 Personen in 39.202 Bedarfsgemeinschaften. Davon sind 51.943 erwerbsfähige Leistungsberechtigte und 18.086 arbeitslos. Rund 72 Prozent der Arbeitslosen haben keine abgeschlossene Berufsausbildung. Mit Qualifikationen und Fortbildungen macht das Jobcenter diese Personen fit für eine Erwerbstätigkeit.